Wahanawank ist ein ruhiges altes Kloster auf einem grünen, bewaldeten Hügel nahe Kapan, der wichtigsten Stadt von Sjunik im tiefen Süden Armeniens. Es wurde 911 von einem Prinzen namens Wahan gegründet und wurde später zum Begräbnisort der Könige und Fürsten von Sjunik. Seine Steinkirchen und der Gawit (Vorhalle) wurden im Stil der Bagratuni-Zeit gebaut. Rundherum gibt es nur Wald und Berge, deshalb ist es hier sehr still. Hierher kommen viel weniger Menschen als zum nahen Tatew – ideal also, wenn du Geschichte ohne Menschenmengen erleben willst.
Über den Anfang gibt es eine spannende Geschichte. Ein alter Geschichtsschreiber namens Stepanos Orbelian schrieb, dass Prinz Wahan unter etwas litt, das die Menschen damals „dämonische Besessenheit“ nannten. Um Ruhe zu finden, gab er sein Leben als Prinz auf, wurde Mönch und holte 911 hundert Mönche zusammen, um die Kirche Surb Grigor (Gregor der Erleuchter) zu bauen. Sie ist das älteste Gebäude hier, und Wahan wurde direkt neben ihrer Tür begraben. Der Ort war schon lange vorher besonders: Das Kloster steht auf einem Friedhof aus der Bronzezeit, der über 3.000 Jahre alt ist.
Bald wurde Wahanawank mehr als nur eine Kirche. Hier öffnete eine Schule, und Schüler kamen aus der ganzen Umgebung. Einer von ihnen war Wahans Neffe, der später Bischof von Sjunik und dann Katholikos wurde – das Oberhaupt der armenischen Kirche. Das Kloster wurde auch zum Grab der Königsfamilie von Sjunik. 1086 bauten Königin Schahanducht II. und ihre Schwester Katan hier eine weitere Kirche, Surb Astwazazin (Heilige Gottesmutter), als Familiengrab. Noch heute sieht man ihre alten, fein behauenen Grabsteine und Chatschkare (armenische Kreuzsteine) sowie hübsche Schnitzereien von Pflanzen und Tieren an den Wänden.
Noch ein paar nützliche Infos: Wahanawank liegt etwa 5 km westlich von Kapan, am Fuß des Berges Tigranasar und am rechten Ufer des Flusses Woghdschi. Die Arbeiten zur Restaurierung des alten Klosters begannen 1978 und dauerten bis 1990, wurden aber nie ganz abgeschlossen. Das Kloster lässt sich gut auf einer mehrtägigen Reise durch den Süden Armeniens besuchen.
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