Nor Varagavank liegt in der Provinz Tavusch, südwestlich des Dorfes Varagavan, am Hang eines bewaldeten Berges. In mittelalterlichen Quellen war es ursprünglich unter dem Namen Anapat bekannt. Das Kloster diente als eines der geistlichen Zentren und als dynastische Grabstätte der Fürsten von Nor Berd aus dem Hause Kyurikian. Hrachya Kartashyan betrachtet den Komplex als eines der herausragenden Ensembles der armenischen Architektur des 12. und 13. Jahrhunderts und bringt dessen Hauptbauphase mit Davit II., einem der letzten Vertreter der Kyurikian-Dynastie, und seinem Sohn Vasak in Verbindung.
Bereits im 12. Jahrhundert existierte an der Stelle des Klosters eine Siedlung. Der Klosterkomplex besteht aus zwei Kirchen, einer Grabkapelle, einer Kapelle und zwei Vorhallen.
Das älteste datierte Bauwerk des Klosters ist die Anapat-Kirche, die 1198 von Fürst Davit erbaut wurde. Es handelt sich um eine kleine, einschiffige Kirche mit Tonnengewölbe, die jedoch eine ungewöhnliche Besonderheit aufweist: Der östliche Altarraum ist durch eine Trennwand in zwei ungleiche Altarräume unterteilt. Ihr einziger Eingang befindet sich an der Westfassade, zu deren beiden Seiten verzierte Khachkars stehen. Die Kirche wurde manchmal als „Surb Nshan“ oder „Kirche des Heiligen Zeichens“ bezeichnet, wahrscheinlich weil hier das Heilige Zeichen von Varag aufbewahrt wurde.
Das Hauptgebäude des Komplexes ist die Kirche der Heiligen Mutter Gottes. Außen rechteckig und innen kreuzförmig angelegt, handelt es sich um eine Kuppelhalle mit vier zweistöckigen Sakristeien. Eine der Inschriften am westlichen Eingang ist auf das Jahr 1224 datiert, während eine andere besagt, dass der Bau der Kirche im Jahr 1237 abgeschlossen wurde. In beiden Inschriften wird Vasak, der Sohn von Fürst Davit, als der für den Bau verantwortliche Stifter genannt. Eine im Altarraum erhaltene Inschrift lautet „MEISTER GAZAN VON ANI“, was Wissenschaftler zu der Annahme veranlasst, dass Gazan der Architekt der Kirche war.
Die große Vorhalle an der Westseite ist der letzte große Bauabschnitt, der dem Komplex hinzugefügt wurde. Sie gilt als eine der größten armenischen Vorhallen ihrer Art.
Etwa 100 Meter südwestlich der Hauptgebäude stehen zwei separate Kapellen. Um sie herum erstreckt sich ein mittelalterlicher Friedhof. In der Vergangenheit waren auch Überreste der Klostermauer und der Mönchszellen erhalten.