Eingebettet in die bewaldeten Berge von Syunik, hoch über dem rauschenden Voghdschi und nur eine kurze Fahrt von der Stadt Kapan entfernt, wirkt die Festung Halidzor wie ein Geheimnis, das die Landschaft seit Jahrhunderten hütet. Auf einem Hügel in über 1.000 Metern Höhe gelegen, erheben sich ihre verwitterten Steinmauern direkt aus den grünen Hängen, mit weitem Blick über das Tal. Es ist ein Ort, an dem die Vergangenheit zum Greifen nah scheint – heute still und fast vergessen, einst aber eine der trotzigsten Festungen ganz Armeniens.
Die Festung entstand im 17. Jahrhundert, als sie von örtlichen armenischen Fürsten, den sogenannten Meliks, nicht als Militärstützpunkt, sondern als stilles Nonnenkloster errichtet wurde. Berühmt wurde sie in den 1720er Jahren, als der legendäre Feldherr David Bek und seine rechte Hand Mkhitar Sparapet Halidzor zum Herzstück eines bewaffneten Aufstands machten. Von diesen Mauern aus lenkten sie den armenischen Freiheitskampf in ganz Syunik und behaupteten sich gegen die mächtigen Heere des Osmanischen Reiches und des safawidischen Persiens, die um die Vorherrschaft im Südkaukasus rangen.
Das berühmteste Kapitel Halidzors ist die Schlacht von Halidsor im Frühjahr 1727. Armenischen Chroniken zufolge hielt eine Besatzung von nur rund 300 Verteidigern einer osmanischen Streitmacht stand, die mehrere Zehntausend Mann gezählt haben soll. Ein geheimer, etwa 500 Meter langer Tunnel zum Fluss versorgte sie während einer brutalen siebentägigen Belagerung mit Wasser. Als die Vorräte zur Neige gingen und die Lage aussichtslos schien, setzte Bek alles auf eine Karte und führte einen wütenden Sturmangriff den Hang hinab – die verblüfften Angreifer brachen zusammen und flohen. Bek starb im Jahr darauf an einer Krankheit in der Festung; der Überlieferung nach wurde er knapp außerhalb der Mauern unter einem Stein bestattet, in dessen Unterseite eine einzelne Blume eingraviert war, damit seine Feinde das Grab ihres größten Gegners nicht erkennen sollten. Ein betagter Bischof aus dem nahen Kloster Tatev soll hierhergereist sein, um die Trauerfeier zu leiten.
Heute ist die Anlage teilweise restauriert, und man kann den unregelmäßigen Mauerring, die Ruine der Surb-Minas-Kirche und die einst bewachten Torbögen erkunden. Die holprige Zufahrt bedeutet, dass man ein geländegängiges Fahrzeug oder einen kurzen Fußweg braucht – doch das verstärkt nur das Gefühl der Entdeckung. Halidzor fügt sich nahtlos in die anderen eindrucksvollen Ecken Syuniks ein, vom Felsenkloster, das man mit der Seilbahn Wings of Tatev erreicht, über die verfallene Festung Baghaberd bis zum mittelalterlichen Kloster Vahanavank bei Kapan. Die besten Touren in die Region finden Sie auf unserer Tourseite.